Die Dreigliederung verstehen

Verständnis erringen: Wie kann man die Dreigliederung des Sozialen Organismus verstehen?

Bewusstsein als Axiom

Die Dreigliederung zu verstehen beruht in großem Maße auf einigen grundlegenden Erfahrungen des jeweiligen Menschen, auf der Erkenntnis einer Entwicklung, Evolution des Bewußtseins als Solches, etwas abgewandelt als Geistesentwicklung des Menschen historisch betrachtet, zu bezeichnen. Und weiterhin ist essentiell dass keine rein materielle Weltanschauung vorherrscht, vielmehr man in irgendeiner Weise einen geistigen Quell der Welt ahnt, annimmt, spürt und vorraussetzt.

Die Geistesentwicklung betrachten

So kann das Zusammenleben der Menschen vor etlichen tausend Jahren betrachtet werden, vor 2000 Jahren wiederum, als Beispiel, sowie weiterhin im Laufe der vergangenen tausend Jahren. Die Ordnungen die in früheren Stämmen sich einstellt, wie ist sie zu sehen? Mancher Forscher, manche Lehre wird dies als emergent aufgrund der Entwicklung der Gehirne sehen und das Verhalten der Menschen auf dies zurückführen und so wird er eine geistige Ordnung bzw eine Struktur die auf einer geistigen Quelle beruht, verneinen. Kann man den Schritt für sich jedoch machen, dass man eine geistige Welt - welche nicht im Dualismus zur Materie stehen muss - annimmt, voraussetzt, so kann der Mensch früherer Epochen, sein Verhalten, die sozialen Vorgänge als Ergebnis einer einer geistigen Ordnung gesehen werden, die der Mensch nicht selbst aus sich heraus - so wie wir dies heute tun - geschaffen hat. Es handelt sich um Tradition, zugrunde liegt eine Seelenstimmung des Menschen, die die heute separierten Gebiete Kunst, Wissenschaft+Technik, Religion noch als ungetrennt empfindet (Im künstlerischen Schaffen liegt auch, oder nahezu, eine Handlung von religiöser Hingabe - und so fort für alle Bereiche.)

Dies hat sich im Lauf des vergangenen Jahrtausend getrennt, ein großer Umbruch ist bekanntermaßen die Phase der Renaissance bzw. das Zeitalter der Aufklärung. Es hat sich auch trennen müssen, dieser Entwicklungsvorgang kann auch als notwendig erkannt werden; Wesentliche Eigenschaften des Menschen, so wie wir ihn, sprich uns, heute wahrnehmen, konnten durch diese Entwicklung errungen werden, vorne weg die Freiheit des Indiviuums, damit zusammenhängend die Würde des Menschen, des Einzelnen, sie wahrzunehmen und zu spüren, zu erkennen, dass es auf mein Handeln ankommt, wie sich mein Leben und was meinen Einfluß betrifft, die Umgebung, die Welt sich gestaltet. Der Mensch ist nun also in der Epoche, in dem Zeitalter in dem er selbst steuern muss, eben jeweils auch die Wege des Gesellschaftlichen, des sozialen Organismus. Diese Entwicklung ist im Grunde überhaupt noch relativ frisch; Im Laufe dieser ersten Gehversuche, hat sich nun allerlei gezeigt, von Menschen bewusst geschaffen wie auch durch die Verhältnisse miteinander (oder leider auch: gegeneinander) es sich so ergeben hat.

Der Erkenntnisweg

Dies gilt es anzuschauen, so stehen zu lassen. Es erfordert hier nun die Kraft desjenigen Menschen der dies verstehen will, seinen Weg zum Verständnis zu gehen, man darf dies einen Schulungsweg nennen, der darin besteht dass man sich übt in Meditation und im urteilsfreiem Denken. So kommt man allmählich zum Durchschauen der eigenen Prägung und Annahmen über die Welt, die man angelernt bekommen hat. So weit bis man zu den, sagen wir, Grundzügen kommt, was die Welt, das Daein ausmacht. Dorthin wo jede persönliche und kulturelle Prägung verschwunden ist.

Aussen...

Und so wird man dazu gelangen, das die Welt aus zum Einen, dem - wie auch immer - entstandenen materiell wahrgenommenen, durch physische Gesetze, Strukturen vorbedingten besteht, das teilweise belebt ist, also die Erde in Raum und Zeit und die Natur, Pflanzen, Tiere und die Polariäten, der Mensch der in seiner Verkörperung Teil hat an Physischem und damit voll darinnen steht und immer stehen muss solange er in diesem Leben darinnen ist. Für den Menschen geht es um das verfügbar machen für sich und seine Nächsten dessen was die materiellen Bedürfnisse sind, Schutz, Nahrung, Energie und die Aspekte dessen in Raum und Zeit, die Verteilung, Ver- und auch Entsorgung, quasi das wirtschaftliche Element, originär bezeichnet als Wirtschaftsleben.

… und Innen

Und zum anderen einer, von der Beschaffenheit völlig anders gearteten Sphäre, die durchaus nicht als Gegensatz auffassbar wäre, einer Sphäre, die man auch komplett verneinen kann, ignorieren und wie anfangs gesagt, wegerklären durch Emergenz in Annahme einer materiellen Evolutionstheorie. Diese Sphäre zeigt sich, am direktesten wahrnehmbar in der Unterschiedlichkeit und Individualität eines jeden Menschen, am ehesten erkennbar beim heranwachsenden Kind, in seinem schöpferischen Tätigsein. Sie drückt sich aus, lebt zum einen im Äußeren nicht wahrnehmbar, in Geist und Seele der Menschen, im Einzlnen und in den Beziehungen, in Idee, Gespräch, Muße, spirituellen Handlungen und Ritus, in dem Wunsch und Bedürfnis an künstlerischem Tätigsein, an Schönheit und dem Bedürfnis nach Sinn und Bedeutung, auch Bedeutung des eigenen Daseins. Im Äußeren wahrnehmbar sind die aus dem Inneren in die Tat umgesetzen Wirkungen, der durchgeführte künstlerische Akt, Gestalten der Umwelt, kulturelles Wirken und die unermeßliche Sphäre an Aktivitäten, die nicht dem direkt wirtschaftlich notwendigen dienen; Dies könnte man den Bereich des Geisteslebens nennen, er erwächst dort zu wahrer Größe wo die Menschen frei sind, sein dürfen, da diese Sphäre anerkannt ist und aktiv an ihr gebaut wird.

Offenbar und doch verborgen

Dies beides wären also wesentliche Grundzüge des Daseins; Sie zeigen sich als Erkenntnis, dort wo man eben wie in dieser heutigen Zeit an den Formen des Zusammenlebens arbeiten muß, sie sich erringen muß. Im eigenen Erleben, im Innern, sind wie in den frühen Epochen der Menschheit die Lebensbereiche verbandelt waren, meist verschmolzen, mehr als verschmolzen, gegenüber den Mitmenschen, im gesellschaftlichen Heute kehren sie sich oft ins Gegenteil um, was notwendige Arbeit war um zu überleben, wie z.B. der Anbau von Nutzpflanzen, ist heute beim Modernen Mensch als Hobby und Ort der Muße; Das Beleben der geistigen Sphäre ist, da diese Grundzüge nicht im Bewusstsein sind, zu geistermüdender Arbeit die wirtschaftlich durchsetzt ist, da sie zu ihrer Quelle die Verbindung nicht mehr hat.

Weitere Schritte

Die erstgenannte Sphäre, die mit den Bedingungen die die Natur uns stellt zusammenhängt, ist dadurch dass sie der Mensch im Laufe der Zeit entwickelt hat, zu dem vielfältigen Gebiet geworden, dass sich eben darum kümmert diese Bedingungen, zu bearbeiten, sie zu erleichtern, kalkulierbar zu machen, mit der Anwendung der Technologie zu durchdringen; Wie das geschieht, darin wurde Geist hineingesteckt, diese wirtschaftliche Sphäre die Geist auf Arbeit anwendet, so wie sie vorher Arbeit auf Natur anwendet, hat und braucht dafür als Quell die Sphäre des Geisteslebens. Die Arbeit wird in sinnvolle Einzelschritte aufgeteilt und untereinander eingeteilt, um den Fluß der Güter zu erhalten. Die Welt wird äußerlich komplex, das Prinzip der Dreigliederung aber bleibt.

Der soziale Organismus

Geht man von der Erkenntnis dieser Grundzüge zu dem Zusammenleben der Vielzahl von Menschen in der heutigen Epoche, jenseits eines ursprünglichen Stammeslebens, so kommt man zu der Anschauung dass diese beiden grundlegenden Aspekte zu betrachten sind wie Glieder eines Organismus. Die Menschheit in ihrem Zusammenleben auf diesem Planeten ist ein Organismus, es ist etwas Lebendiges. Was gibt es noch für Glieder, gibt es noch weitere?

Das dritte Glied

Nun hat ja jeder Mensch die Notwendigkeit sich zu versorgen als Trieb in sich. Und ebenso ist jeder Mensch anteilig an einem Geistesleben. In diesem wird sich sein Inneres entfalten und mitsamt dem Geiste seiner Umgebung wirken. Doch wie erkennt man dass man ausreichend mitgearbeitet hat am Wirtschaftlichen? Oder dass man seine Fähigkeiten und Begabungen im Bereich des Geistigen umfassend gelebt hat, so dass das den Menschen gemeinsame Geistesleben ausreichend gestärkt wird?

Hier erleben sich die Menschen gegenseitig, Tag für Tag, es bilden sich die Urteile übereinander, aus dem Urteilssinn heraus. Man erlebt wie man ein Gefühl für diese Dinge hat, von Klein auf, einen Sinn für Gerechtigkeit. Wer darf und muss wieviel? Es geht um Rechte und Pflichten und all diese Themen, bilden über all die vielschichtige menschliche Welt hinweg eine eigene Sphäre; Sie ergibt sich in gewisser Weise an dritter Stelle, hier in unserer Herleitung (Sie ist natürlich, so wie die anderen beiden auch, niemals als eigenes isoliertes denkbar.)

Sie können wir nennen die Rechtssphäre. Sie hängt also mit dem Fühlen zusammen, sie kann als Mittleres zwischen den anderen beiden Wirtschafts- und Geistessphäre gesehen werden.

Im Kleinen, vom Individuum aus gesehen, geht es darum, dass jeder Mensch ein Recht hat auf seine Existenz mit allem (was nach real schätzbaren Bedingungen) dazugehört. Seinen Bereich, räumlich, zeitlich, wo er ganz nach seinem Inneren handeln kann, bis zum Recht auf Wohnraum oder auf den Schutz der Gemeinschaft und Erhaltung einer gewissen Würde, den Umständen entsprechend.

Dieses kann ein jeder Mensch im Fühlen nachvollziehen, und mit dem dem Menschen gegebenem Mitgefühl kann man dies dem Anderen zubilligen. Diese Aspekte kann jeder Mensch verstehen und sie sollten von der Strukturen die man im großen Maßstab erschafft, gewährleistet werden können. Und da sie für alle Menschen gleichermaßen gelten, können sie also durch demokratische Verfahren errungen werden. In all den Bereichen des Lebens die weniger und weniger Menschen angehen, muss die öffentliche Verwaltung und die Gesetzgebung sich mehr und mehr zurückziehen, um Selbstverwaltung zu ermöglichen und das Subsidaritätsprinzip zu gewährleisten.

Offenbar okkult

Einfache Sache, vom Prinzip her, und doch, da wir alle mittendrin stehen, im Detail so verzwickt.

Es ist - für einen persönlich - ein langer Weg, er kann charakterisiert werden durch einen iterativen Prozess von Lesen, rekapitulieren, erkennen, einbringen in Diskussionen, Stoßen auf Widerstand, Ringen um Mut und Haltung, Gewißheit erlangen, darüber schreiben, vergleichen, wiederum lesen und so weiter von vorne.

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